“Memoiren an die Schweinegrippe”

1.Warum hier und nicht dort?

Warum ich hier bin,
das weiss nicht
der Biber um die Ecke,
denn er ist nur hier um zu sein.
Ich aber moechte nicht sein.
Kann nicht sagen wie,
wann und ob,
aber ich moechte werden.

2. Was mache ich hier?

Den Weg bestreite ich ganz alleine,
bekomme Karten und Kompanten
zugesteckt.
Doch sie geben nur ein positives Bild
der doch so anderen realitaet
wieder.
Habe mir nichts dabei gedacht, bis ich
merkte, dass die falschen Leute die Karten
erschufen, zu naiv.

3. Wozu?

Der Reiz eines neuen Lebens,
eine Zeit vieler Veraenderungen.
Es haelt mich am Leben, am Ueberleben.
Mich selbst zu finden,
oder doch nur auf alten Mustern aufzubauen?
Ich hoffe, am Ende dieser Reise
kann ich mich neu identifizieren.

4. Was ist es, das mich hier haelt

Menschen,
so unvorhersehbar.
Fenster,
so undurchschaubar.
Buecher,
so unendlich dick,
aber Leben,
so unwahrscheinlich vielfaeltig.

5. Vermissen tut er einiges…

Bald bereitet er sich auf den Absprung vor,
springt ab und oeffnet den Fallschirm.
Dann landet er in seinen alten Kreisen,
mit dem Fallschirm wie ein Eindringling.
Doch Eindringlinge benutzen keinen roten Schirm,
jeder wuerde ihn wiedererkennen.
Und er wuerde von der Luft in grosser Hoehe
erzaehlen, aber die gewohnte Luft
zu schaetzen wissen.

6. …Doch manches ganz und gar nicht.

Man sagt, Zeit sei Geld.
Einige sagen, Geld sei wichtig.
Andere meinen, Zeit sei zu kurz.
Ueberlege dir gut, wie du deine
Zeit effektiv nutzt.
Nur so kann sie wertvoll fuer dich werden.

7. Vor-Bereitung

Wie ein kleiner Vogel,
der noch nicht weiss,
dass er alsbald
auch ohne Hilfe fliegen kann.

Hat sich zu sehr abgesichert,
einen Fallschirm auf dem Ruecken,
laesst den Vogel vor dem ersten Flugversuch
zerbrechlich erscheinen und schwach.

Der Fallschirm zu schwer-
der Himmel kommt nicht naeher.
Er wird bald schlau sein und froh,
dass er damals nicht an einer Klippe stand.

8. Er wartungen uebertroffen

Er erwartet immer etwas besseres,
als es letztendlich doch ist.

Es weiss nicht, ob es wirklich noch etwas
im Leben zu erwarten gibt- zu viele Enttaeuschungen.

Sie ist sich aber im Klaren,
dass hinter jeder Ecke etwas neues
auf sie wartet.

Es sind die kurzen Augenblicke,
die auf dich warten und alles andere uebertreffen,
wenn du nur um die Ecke gehst.

9. Berlin! Berlin!

Meine Plaetze zum Leben in Berlin
Ruhige Wohngegend in Lichtenberg.
Bargetuemmel in Friedrichshain.
Erinnerungen an die Schule im Prenzl’Berg.
Erinnerungen an die Kindheit mit den Liebsten.
Ruhiger Seegang in der Rummelsburger Bucht.
Mit dem Rad durch die Stadt bei Nacht.
Einen Umweg auf dem Heimweg nehmen.

10. Ihr macht es. und ich auch!

Meine Trauer, als die Schule aus war,
ist berechtigt.
Die Zeit war einmalig.

Die Trauer ist vorbei, denn von Tag zu Tag
werde ich gluecklicher,
wenn ich nur hoere, dass ihr es auch seid,
mit dem was ihr anpackt.

11. Herausforderungen in jeder Groesse

Die Groesse spielt keine Rolle.
Und wenn man es selbst nihct gesehen
und nicht angepackt hat,
wird einem die wahre Groesse,
der wahre Wert der Herausforderung
nicht bewusst.

12. Ich kam und sah… und kaempfte

Vor dem Sieg,
da ist der Kampf.

Es war einst jemand,
der kam, sah und siegte.

Doch kann man
mit seinem Blicke siegen?

Mir scheint, es gab keinen Kampf,
gesiegt hat nur seine Neugier.

13. Man lernt sein Leben lang

Die Geburt eines Teebeutels
ist nicht sonderlich spannend,
denn zu dieser Zeit
ist der Teebeutel noch leer.

Nach der Geburt
wird der kleine Teebeutel
von seinen Eltern
um die ganze Welt geschickt.

Er mag zwar kein lnages Leben haben,
aber in seinem Leben sammelt er
soviele Teesorten wie moeglich,
die jeder Aussenstehende mit offener Nase empfaengt.

14. Der Weg im Leben ist das Ziel

Schneller, schneller
immer schneller

Ein schnelles Leben,
doch der Weg wird nicht kuerzer.

Aelter, aelter,
sogar das.

Doch du warst zu schnell,
um alles mitzunehmen.

15. Morgends bis Abends

Diese Arbeit
macht mich nur dann
zufrieden, wenn
meine KLienten kooperieren,
das Wissen waechst,
die Sonne sich
zufrieden zeigt,
der Abend ausklingt
mit Unterhaltung und
interessanten Individuen.

Bei dieser Arbeit gebe ich Zeit,
um fuer andere ich zu sein.
Zeit gebe ich tagein, tagaus,
doch juenger werde ich keinesfalls.

16. Wie im Fluge

Ich moechte die Zeit anhalten,
meine Fluegel sollen rasten.

Die Fuesse tragen mich dorthin,
wo ich vorher noch nie gewesen.

Als ich mich versuche, von diesem Traum zu loesen,
kann ich die Zeit nicht mehr zum Laufen bringen.

Die Zahnraeder meiner inneren Uhr sind eingerostet,
zu sehr hing ich diesem Traum hinterher.

17.Momente, die in Erinnerung bleiben

Sein Vertrauen gewissenhaft anzulegen
und zu sehen, dass
mit der Zeit
das Vertrauen seinen Weg zurueck findet.

Ich vertraute manchmal zu schnell,
was andere nicht erwarteten.
Doch groesseres Vertrauen waehrt am laengsten
und ist seine Zeit wert.

18. Entfaltung

Entfaltet man ein Blatt Papier,
so wird es immer duenner.

Entfaltet sich ein Schmetterling,
so wird er schoener mehr im Sonnenlicht.

Ich moechte der Schmetterling sein,
der zum Vorschein kommt
und dir ins Gesicht fliegt,
wenn du nur das Papier entfaltest.

19. Leute aus aller Welt

Wie auf einer Insel in dieser grossen Stadt.
Die See ist rauh,
der Sand ist weich.
Die Baeume stehen dicht,
nur einige haben grosse Wurzeln geschlagen.
Diese Baeume von unterschiedlicher
Dicke und Hoehe,
lassen sich ertasten,
jede Rinde ist anders.
Aeste verhaken sich,
oder wachsen gar zusammen.

Bald wird ein kleiner Baum von ihnen
ausgerissen werden.
Doch seine Blaetter bleiben
in allen von ihnen haengen.

20. Traditionen und ich

Respekt ist das,
wovon man am meisten
in seine Taschen packen muss,
wenn man zum ersten Mal
in der Kirche
und alle ihre Taschen leeren.

Stell dir vor, du haettest
den Respekt unterwegs verloren.

21. Furcht, Aengste, Zweifel

Ich habe mich entschieden,
bin auf meiner Meinung sitzen geblieben.
Falls mich etwas aufhaelt,
bin ich der Apfel, der nicht vom Baum faellt.

Hier zu sein, erfuellt mich,
auch bei Kaelte, Krankheit, Baerentatzen.
Baeren stammen nicht ab von den Katzen,
interessiert es dich?

Doch frag einmal den Katzenbaer,
ueber Kanada weiss der viel mehr.

22. Glueck

Ich bin krank und allein im Haus,
das Licht gedimmt, muede Stimmung.
Von aussen dringen Geraeusche, ein Auto.
Tueren oeffnen, Tueren schliessen,
Schritte Richtung meiner Tuer.
Schweissgeruch in der Luift,
der Tee ist noch warm.

An der Tuer haengt ein Beutel mit Keksen,
jemand denkt an mich.

23. Klienten wie Kollegen

Klienten betreue ich.
Kollegen vertraue ich.
beiden muss ich geben.
Von beiden erhalte ich.
Doch weil ich mit beiden
in einem Haus lebe,
kenne ich keine weiteren
Unterschiede.

24. Mein Lebensstil

Die Katze, die jetzt Jagd
auf Papageien macht,
muss sich gedulden
und geschickt sein.
Vielleicht hat die Evolution
ihr grosse Tatzen und Fluegel vorgesehen.

Ich wuerde Charles Darwin
nach groesseren Ohren, Augen und
einer groesseren Zunge fragen
- so viel wahrzunehmen.

25. Der Weg zur Selbstaendigkeit

Am Ende meines Lebens
moechte ich zumindest
so selbstaendig sein,
um selbst zu entscheiden,
was auf meinem Grabstein
stehen soll,
wenn ich einen haben werde.

26. Wiedersehen in Sicht

Wiedersehen ist schoener,
als wenn man jemanden immer und ueberall hat.
Die Zeit dazwischen
ist dafuer gedacht,
andere Worte fuer jemanden zu finden,
anders ueber die Person nachzudenken.
Bis man sie wiedersieht
und Ruhe vor sich selbst hat.

27. Weltbuerger

Eine einzige, universelle Sprache
auf der Welt einzufuehren
waere sinnlos,
denn wer moechte nicht sagen
“Ich habe diese Sprache gelernt,
weil ich dadurch Zugang
zu anderen Menschen und
einer anderen Kultur habe.”?

28. Die Tinte laeuft aus

Die Tinte laeuft aus
und keiner bemerkt es.
Laeuft durch meine Taschen,
meine Buecher befleckt sie.
hat sich verfressen,
so dunkel, dunkel blau.
Ich denke nicht,
dass ich sie jemals wieder lesen kann.
Doch meine Stifte waren schlau,
sie haben all die Tinte, die
sie kriegen konnten
aufgesaugt wie ein Schwamm,
und halten nun ein Leben lang.

29. Leben im Apfelkern

Der Apfel, der ist so gebaut,
dass jeder Kern kein Schritt vor,
noch zurueck kann.
Doch im Kern, jeder von ihnen hohl,
tanzen lachend Apfelkinder,
die darauf warten,
fuer einen kurzen Augenblick
das Licht der Welt zu sehen,
ehe sie zu Apfelgeistern schwinden,
die sich in deiner Nase winden.

30. Zu viel geschrieben

Zu viel geschrieben bedeutet,
bei mir haben die Glocken gelaeutet.

Mein Ehrgeiz ging nicht gen Enden,
Talent liegt in meinen Haenden.

Die Zeit schon spaet, ich ward verrueckt,
am Ende habe ich mich damit selbst beglueckt.

3 Antworten zu “Memoiren an die Schweinegrippe”

  1. Mein lieber Robert,
    ich bin sehr erstaunt, wie die Zeit dich dort Wachsen lässt, als Mensch, wie auch in deinen Fähigkeiten. Auf einmal schreibst du Texte und Gedichte, als hättest du dein ganzes Leben nichts anderes getan. In deinen Werken, spiegeln sich Gedanken von Sehnsucht, Glück, Ängsten, Hoffnung und Freiheit wieder. Deutlich wird vor allem deine eigene Kraft und Stärke (= Selbsvertraun). Diese Komponenten machen sie nicht nur philosophisch, sondern auch persönlich und letztlich ganz besonders. Beim Lesen fand ich folgende mit am besten:
    1. Warum hier und nicht dort
    – du “möchtest werden”, das merkt man und es bereitet einem Freude davon hier lesen zu können
    5. Vermissen tut er einiges
    – “die gewonnene Luft” wird dir sicher nie verloren gehen
    16. Wie im Fluge
    – wenn man recht nachdenkt, ist das Leben ein wunderbarer Traum, aus dem man nie erwachen möchte
    – die Zeit vergeht wie im Fluge, das ist wahnsinn – man muss einfach alles mitnehmen, was man kriegen kann!
    18. Entfaltung
    – du bist mein Schmetterling, bitte flieg bald zu mir!
    20. Traditionen und ich
    – die Ironie finde ich klasse, aber ich denke man sollte vielleicht noch etwas mehr einpacken :-) – ein Bild von Robi z.B.
    21. Furcht, Ängste, Zweifel
    – hier muss ich zugeben habe ich den Zusammenhang mit dem Titel nicht verstanden, aber es ist sehr witzig (wenn es das sein darf)^^
    22. Glück
    – das ist das Meisterwerk! voll genial!
    – mein Glück ist, dich als Freund zu haben
    – ich hoffe du findest meine Kekse auch jeden Tag ;-)
    24. Mein Lebensstil
    – hehe, ist klar das der keine möchtegern Tierarzt dazu was sagen muss: ich hätte gern noch von Onkel Darwin Flügel (um zu dir fliegen zu können) und eine größere Nase (damit ich deine … riechen kann^^)
    27. Weltburger
    – Sprache als Schlüssel zu sehen ist eine interessante Betrachtung, aber ich denke der damit verbundene Wille (sie auch zu lernen und damit die Kultur anzunehmen) bringt die Integration – sehr gut
    28. Die Tinte läuft aus
    – ich denke du bist einer von diesen Stiften
    – du hast großes “Talent in den Händen”!
    (geile Formulierung)

    Geniale Momente eines großartigen Menschen. Geh nur weiter diesen Weg ich bin Stolz auf dich!

    Sei ganz doll gedrückt,

    Dein Fabi

  2. So,mein Großer,ich lese deine Texte jetzt zum wiederholten Male und meine Gedanken und Gefühle decken sich mit Fabis,auch seine Favoriten sind meine.Tolles Kino,könte man sagen.Das mit der “Familie”ist vollkommen i.O. und normal und toll,das du dich so wohlfühlst,geht es dir gut,geht es uns auch gut.Mach weiter so,bleibe gesund und bis demnächst. deine Mama

  3. Sehr schön! Wer auch immer Fabi ist – er hat es perfekt formuliert.
    Mein absoluter Favorit unter den vielen schönen Texten ist anbei bemerkt die 28. Großartig!

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