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Jasper Nationalpark

Dieser Trip war schon seit ein paar Wochen in Planung und sollte nun umgezetzt werden, denn wenn man nur ein freies Wochenende pro Monat hat, dann sollte man das auch ausgiebig geniessen. So hat es schon riesig geholfen, wenigstens mal aus der Stadt herauszukommen, auch wenn der Herbst die Zeit ist, in der die Baeren in den Nationalparks in die Taeler ziehen, um sich fuer den Winterschlaf vollzufressen.

Aufgebrochen sind wir am Freitag um 14 Uhr, um nach Downtown zur Autovermietung zu fahren. Wir, Subin, Heerae und ich, bekamen schliesslich ein Koreanisches Auto vermietet, was die zwei Koreaner unter uns erfreute. Doch wuerde dieses Auto dieser langen Reise standhalten?

Der Jasper Nationalpark liegt ca 300 Kilometer westlich von Edmonton. Bis in die Stadt Jasper, die im Zentrum dieses Parks liegt, haben wir 4 Autostunden benoetigt und da es schon recht spaet war, sollte die Sonne uns sehr stark blenden. Als wir schliesslich im Jasper NP ankamen, war es bereits dunkel und wir konnten die Berge, den Rand der Rocky Mountains, nur schwer wahrnehmen.

Der Eindruck des Hostels, an dem wir schliesslich ankamen, war sehr verlassen. Doch wir hatten uns vorher informiert und gesagt bekommen, dass es keine Hauptsaison sei und man keine Reservierung benoetigt. So waren wir dann die einzigen Gaeste im Hostel International Maligne Canyon, ganz in der Naehe von Jasper. Wir haben uns dafuer entschieden, obwohl man dort ohne fliessend Wasser auskommen muss. Man hat zwar Trinkwasser, aber man kann sich nicht duschen. Den Besuch in Jasper wollten wir nun nicht davon abhaengig machen, ob wir uns duschen koennen oder nicht.

Am naechsten Morgen ging es um 9 auf zur Tankstelle, um Benzin und Snacks nachzufuellen. Was quietscht da so im Auto? Was ist los mit dem Koreanischen Auto? Wie sollen wir weiterkommen? Zum Glueck hat der Fahrer nur vergessen, die Handbremse zu loesen, aber gestunken hats trotzdem(lasst das bloss nicht die Autovermietung wissen). Auf dem Weg zum Maligne Lake wurde die Landschaft und die Berge um uns herum immer weisser und es wurde kaelter. Am See angekommen, haben wir uns auf einen Fussmarsch durch den Wald gemacht, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass uns ein Baer begegnen koennte. Aber Robert war ganz schlau und hat eine Colabuechse mit Steinen gefuellt und in seine Tasche gesteckt. Die grossen Tiere, die wir im Wald auf einer Lichtung entdeckt haben, waren Elche, 3 Stueck an der Zahl. Im Gegensatz zu Hirschen und Coyoten, die wir am Strassenrand beobachten konnten, sind Elche nur sehr selten zu beobachten. Baeren haben wir dagegen nicht gesehen.

Da man in Nationalparks fuer grosse Entfernungen aufs Auto angewiesen ist, haben wir die Zeit dann auch genutzt, um weiterzufahren. Ueber Jasper zum naechsten Hostel, ebenfalls ohne fliessend Wasser (es ist nur ein Wochenende, wir brauchen keine Dusche). Doch dieses Hostel war viel gemuetlicher. Ein Kamin stand mitten in der Lounge,  alles war aus naturbelassenem Holz, Tische, Baenke sowie das Dach und Geweihe hingen von der Decke. Wir haben den Abend damit verbracht, zu kochen und mit den anderen Gaesten im Hostel zu plaudern.

Am letzten Tag, haben wir uns auf den Weg zum hoechsten Berg der Kanadischen Rocky Mountains gemacht, dem Mount Robson in British Columbia. Wir haben ihn zwar nicht bestiegen, aber eine kleine Wanderung um den Fuss des Berges genossen. Nach diesem letzten Ausflug haben wir uns auf den Heimweg gemacht.

Zusammenfassend hat mir dieses Wochennede sehr viel gebracht. Ich bin aus der Stadt herausgekommen, ich habe die Luft genossen und grosse Tiere in freier Wildbahn gesehen. In einem Tal in Jasper habe ich zum ersten Mal eine Ruhe erlebt, die ich vorher noch nie erlebt habe. Es ist alles so friedlich, wenn man sich in fast unberuehrter Natur bewegt. Desweiteren bin ich immer noch beeindruckt von der Natur, die ich gesehen habe. Ich habe meinen Traumjob im Wildnis-Hostel gefunden. Bevor ich diesen Job antrete, werde ich diesen hier beenden, denn ich habe wieder Energie getankt, was auch andere gemerkt haben, denn ich bin mit strahlenden Augen zurueckgekehrt.

Ueberraschenderweise war dieses Wochenende fuer uns recht preiswert. Insgesamt haben wir $500 bezahlt. Das waren $175 fuer das Auto, $90 fuer Benzin, $54 fuer den Einkauf der Lebensmittel, $40 fuer die Parkgebuehr und $144 fuer die Uebernachtungen in den Hostels ($24 p.P. p.Nacht)

Die Suppe wird warm…

Ich habe fuer diesen Eintrag die Ueberschrift “Die Suppe wird warm…” aus zwei verschiedenen Gruenden gewaehlt. Zum einen kann man sagen, dass ich ja, als ich hier ankam sogut wie ins kalte Wasser gesprungen bin. Mit der Arbeit mit geistig behinderten Menschen hatte ich vorher keine Erfahrungen, was das Vorbereitungsseminar auch nicht wettmachen konnte. Ich hatte zwar keine Angst vor dieser Erfahrung, aber mir muss natuerlich erst einmal alles gezeigt werden, wie jegliche Dinge gemacht werden muessen. Nach knapp zweieinhalb Wochen hier in der L’Arche in Edmonton merke ich, wie die core-member anfangen, mir zu vertrauen und das ist ein gutes Gefuehl. Nicht nur die core-member, sondern auch die Assistenten haben etwas mit der Suppe zu tun, denn sie kommen aus sehr vielen verschiedenen Kulturkreisen von der ganzen Welt. Diese “Suppe” aus Assistenten sorgt dafuer, dass die Freizeit, die ich mit ihnen verbringe zu einer tollen und unvergesslichen Zeit wird.    Ausserdem merke ich im Moment, dass mein Englisch besser wird. Die Woerter kommen viel lockerer aus meinem Mund und ich versuche, immer fleissig Vokabeln zu lernen. Wie man merkt, ist das Wasser bzw. die Suppe, in die ich gesprungen bin, nicht mehr kalt, sondern wird immer waermer. Zum zweiten ist da die Suppe, die ich am Sonntag gekocht habe. Es war das erste Mal, dass ich das Abendbrot fuer das ganze Haus kochen durfte und ich war auch schon ganz aufgeregt. Obwohl eine Suppe nicht schwer zu machen ist, war ich danach froh, dass diese nicht misslungen ist.

Der einzige, der generell keine Suppe mag, ist Richard. Er mag stattdessen Ketchup, ice-cream, Kaffee, Saft und Marmelade. Da Richard nicht sprechen kann, hat er fuer alles, was ihm wichtig ist ein Zeichen, mit dem er uns mitteilt, was er jetzt gerne haette. Es gibt Zeichen fuer Ketchup, Saft, Kaffee, ice-cream und Washroom. Richard ist 47 Jahre alt und geniesst seine Zeit. Fuer alles laesst er sich viel Zeit. Sei es auf der Toilette, in der Badewanne oder beim Essen. So kann es schonmal vorkommen, dass er bis zu einer Stunde bei diesen genannten Aktivitaeten verbringt. Sein groesstes Hobby ist Malen.

Letu's Birthday-cake

Letu's Birthday-cake

Am Sonntag fand ausserdem Letu’s Geburtstagsparty statt. Letu wurde 50 und liess fast die gesamte community zu ihrer Party einladen. Sie ist eine Person, die schnell ihre Stimmung aendern kann. Mal ist sie froehlich und lacht staendig, dann weint sie drauf los und verhaelt sich wie ein kleines Kind. Am liebsten mag sie comedy-Filme schauen, denn vorher hat sie wohl staendig Horrorfilme geschaut, was die Assistenten ihr abgewoehnt haben. Seitdem ist sie viel froehlicher.

Die dritte im Bunde der La-Creche-Family ist Dora. Sie ist ein native Canadian, 55 Jahre alt und sehr gemuetlich. Sie liegt den ganzen Tag in ihrem Bett, weigert sich, aufzustehen, um zum Tagesprogramm zu gehen und schneidet Bilder aus Zeitungen aus. Dadurch muss fast jeden Tag ein persoenlicher Betreuer von Dora in unser Haus kommen und sich mit ihr beschaeftigen.

Henry, der nur voruebergehend in unserem Haus lebt, bringt Stimmung unter die Klienten, obwohl er mit 63 Jahren der Aelteste unter uns ist. Er unterhaelt sich mit Letu und motiviert sie fuer einige Aktivitaeten wie Spazierengehen, Weggehen, Tisch abraeumen usw.

Auf der Geburtstagsparty hatte ich die moeglichkeit, viele andere core-member kennenzulernen, die alle ganz verschieden sind auf ihre Weise. Sie sind teilweise noch lustiger, motivierter, eingeschraenkter, …, was es zu einer Herausforderung bzw zu einem Erlebnis machren wuerde, ebenfalls mit ihnen zu arbeiten.

Dann am Dienstag fand das naechste Assistant-Meeting statt. An diesem Tag habe ich zum ersten mal einen weiteren neuen Deutschen kennengelernt, Stefan, der ebenfalls durch VIA e.V. hierher gekommen ist. Ich habe meinen ersten pay-check bekommen. Das Meeting hat mich stark an das Vorbereitungsseminar in Kassel erinnert, da wir ein Thema behandelt haben, das sich mit bestimmten Strategien zum Umgang mit Assistenten und core-members befasst hat.

Park und Industrie-Park

Park und Industrie-Park

Das Meeting war um 12.30 zu ende und ab da konnte ich meinen zweiten freien Tag geniessen. Strahlender Sonnneschein und keine Wolke am Himmel. Ich hatte mir vorgenommen, zu einem Park zu gehen, in dem man Frisbee-Golf spielen kann. Hee-Rae, ebenfalls ein neuer Assistent aus Korea hat mich begleitet und wir haben den ganzen Tag zusammen verbracht. Wir haben den Rundle-Park mit dem Frisbee-Golf-Kurs erkundet, waren etwas essen, dann in Downtown, um etwas ueber die Autovermietung herauszufinden. Leider darf man Autos erst ab 21 mieten, aber es gibt eine Autovermietung, die sich “Rent-A-Wreck” nennt, bei der man wohl Autos ab 18 mieten kann, ueber die ich jetzt etwas herausfinden will. Nach Downtown sind wir zu Hee-Rae’s Haus gefahren, das Heiwa-Haus, eines der Haeuser wie La creche. Neben diesen beiden gibt es noch 4  Haeuser der L’Arche in Edmonton. Somit hatt eich die Moeglichkeit, auch dieses Haus kennenzulernen, in dem es ebenfalls ganz gemuetlich zugeht. Der House-Leader von Heiwa-House, Michael, ebenfalls ein Deutscher, wird wahrscheinlich mit mir zum Mastodon-Konzert gehen. Nach diesem Abend habe ich mir einen klapprigen Drahtesel von Heiwa-House ausgeliehen und bin nach Hause geklappert.

Frisbee-Golfer

Frisbee-Golfer

Hee-Rae beim Frisbee-Golf

Hee-Rae beim Frisbee-Golf

Nun blicke ich gespannt Freitag entgegen, da an diesem Tag das medication administration training stattfindet, was mir dann schliesslich erlaubt, selbst Medizin zu verabreichen.

Seid alle lieb gegruesst, ich wuensche euch eine schoene Woche.

Euer Robert