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3 Monate vor Ende

Bitte mache ein Foto, um den Moment einzufangen, er war so schoen.

Edmonton war einmal haesslich in meinen Augen, aber seitdem ich in der letzten Woche einige neue Orte entdeckt habe, weiss ich, dass es hier eh keinen Zweck hat, sich ueber Aeusserlichkeiten zu beschweren. Stattdessen muss man unter die Leute gehen, zu Events in der Szene und das auch noch mit Menschen von ausserhalb der Community, um richtig die freie Zeit geniessen zu koennen.

Was ich neues entdeckt/ gemacht habe: Ich bin zum ersten Mal mit dem Zug durch die Stadt gefahren, ich war waehrend des Edmonton Poetry Festivals zum ersten mal auf einem Slam-Poetry Event, ich habe den Bauernmarkt besucht und unzaehlige Koestlichkeiten ausprobiert, darunter das beste Popcorn seit 20 Jahren, ich habe eine der kostenlosen Fuehrungen durch das Regierungsgebaeude mitgemacht und nebenbei ein paar mehr Leute von ausserhalb der Community kennengelernt, hauptsaechlich Austauschstudenten der University of Alberta.

Ein anderes wichtiges Thema, das ich lange nicht mehr angeschnitten habe, ist mein Leben in der Community. Es gab immer nur Berichte ueber meine freien Wochenenden, dass ich zum Feiern weggegangen bin oder von groesseren Veranstaltungen die Gemeinschaft betreffend.
Doch was genau beschaeftigt mich gerade mit meinem L’Arche-Leben, das so langsam dem Ende zugeht?
Dazu werde ich Fragen auflisten, mit denen ich mich an meinem Refelktionstag und einer Anschlissenden Konversation beschaeftigt habe, um euch einen Einblick in die Gedanken vor den letzten 3 Monaten zu geben.

1. Was geniesst du an deinem Community-Leben?

Ganz besonders an diesem Leben gefaellt mir die Einfachheit, mit der man hier den Alltag bestreitet. Von keiner Seite gibt es Einfluss auf den Lebensstil, der sich nur auf das Wichtigste beschraenkt. Alles was ich besitze, befindet sich in meinem kleinen Zimmer (neben dem Fahrrad im Schuppen), doch das Leben definiert sich auf der anderen Seite meiner Tuer.
Waehrend das einfachen Lebensstils hat man sehr gute Chancen, ueber seine Zukunftsplaene nachzudenken. Ich halt emir immer offen, in eine L’Arche Community zurueckzukehren, wenn ich an einem Punkt angekommen bin, an dem ich Zeit brauche, um eine wichtige Entscheidung zu treffen.

2. Fuehlst du dich in deinem Hau zu Hause? Was tust du dafuer, um dich zu    Hause zu fuehlen?

In meinem Haus fuehle ich mich zu Hause, da ich als “Familienmitglied” von allen anderen, die schon eine wesentlich laengere Zeit hier wohnen, akzeptiert werde und zwischen uns sehr gute Beziehungen mit grossem Vertrauen vorhanden sind.
Leider ist das Haus ein etwas kleines Haus und der Ort, an dem sich mein Zimmer befindet, ist unguenstig und es geb keine Moeglichkeit, noch einmal umzuziehen. So darf ich, falls ich meine Freizeit in meinem Zimmer verbringen sollte, die Konversationen aus der Kueche mithoeren und kann nicht wirklich von der Arbeit abschalten. Man koennte mein Zimmer auch “Stasi-Zimmer” nennen. Deswegen ist dies kein guter Ort, um zu entspannen.

3. Welche Beziehungen sind dir zur Zeit am wichtigsten in der Community?

Ich kann sagen, dass mir zur Zeit am Wichtigsten die Beziehungen zu den Core-Members sind, denn vor allem ihre Stimmungen wirken sich auch auf meine Stimmung aus. Verzweifeln laesst es mich manchmal, aber wenn man dann einen Tag spaeter ein risen Laecheln oder eine Umarmung geschenkt bekommt, so ist das schonw ieder eine andere Sache. Es kann such eben nicht die ganze Zeit auf einem Level bewegen.
Am zweitwichtigsten sind mir die Beziehungen zu meinen Kollegen, vor allem aus anderen Haeusern, mit denen ich mich zwar hauptsaechlich ueber das Community-Leben unterhalte, aber man sehr gut Erfahrungen austauschen kann, wobei das gleiche fuer die Leute gilt, die im Buero arbeiten und mit Erfahrungen aus vergangenen Jahren aushelfen koennen.
Im Moment gibt es noch Beziehungen zu Menschen ausserhalb der Community, die in letzter Zeit erst entstanden sind und die mir immer wichtiger werden. Besonders zu einer Person pflege ich sehr guten Kontakt, leider fehlt es an Zeit, die ich gerne ausfuehrlicher mit dieser Person verbringen wuerde. Im Moment ist es schwer fuer mich, ein Gleichgewicht zwischen den Kontakten von innerhalb und ausserhalb zu finden, aber das wird sich hoffentlich in ein paar tagen oder Wochen eingependelt haben.

4. Inwiefern helfen dir diese Beziehungen, dazuzulernen und dich zu veraendern?

Beziehungen, die auf Zusammenleben basieren, sind gepraegt von grossem Vertrauen, Respekt und Akzeptanz, aber benoetigen Zeit, die es sich lohnt, investiert zu werden. Grosse Freude bereitet mir, einfach Zeit miteinander zu verbringen. Unter anderem habe ich mich insofern veraendert, dass ich in Beziehungen die Leute anders wahrnehme, mehr auf ihre Faehigkeiten und Behinderungen (ja, jeder hat Behinderungen, ihr seht es bloss nicht als solche) einzugehen. Ich nehme mir mehr Zeit, um diese Eigenschaften zu beobachten.

5. Wie machen sich deine besonderen Faehigkeiten in der Community und deinem zu Hause bemerkbar?

Angeben moechte und kann ich auf garkeinen Fall vor anderen Menschen ueber meine besonderen fehigkeiten/ Talente. Deswegen zaehle ich auch meist auf andere Personen, die mir dies mitteilen koennen. Es gibt sicher noch einiges fuer mich zu entdecken, das ich noch nicht als Talent entdeckt habe.

6. Was gibt dir Energie in deinem Leben in L’Arche?

Seitdem ich hier bin, weckt mich nicht wie vorher ein laestiger Alarmklingelton auf,sondern das Radio. Jeder Start in den Tag fuehlt sich dadurch erstmal viel besser an und die Energie ist zumindest fuer den ersten Teil des Tages vorhanden.
Mehr Energie geben mir die Freundschaften mit den Core-Members und alle anderen beziehungen, aber sietdem hier jemand aus dem Urlaub wiedergekommen ist, die sich meine Chefin nennt, geht es wieder zu wie in der Putzkolonne. Der General gibt Befehle, kontrolliert alles und gibt Kommentare.
Wenn man am Esstisch zum abendbrot sitzt und ein gutes Essen geniesst, wobei ich mir Zeit beim Essen lasse und man eine gute Konverstaion auflegen kann.

Viele Gedanken, noch viel zu entdecken.
Viele Momente, die man nicht verlieren mochte.

Die ersten Tage sind rum in Edmonton

Nun war ich gerade fertig, Mittag zu essen, da fiel mir auf, dass ich nur noch eine Stunde habe, bis mein zweite Arbeitsschicht beginnt. Und damit HERZLICH WILLKOMMEN zu meinem ersten Blogeintrag aus Uebersee.

Zu allererst moechte ich mich gaaanz gaaanz doll bei den Leuten bedanken, die mir den schoenen Abend vor meiner Abreise bereitet haben und natuerlich denen, die dafuer dicht gehalten haben. Ich haette nie damit gerechnet. Ja, ich wurde reingelegt.

Als ich dann am naechsten Morgen losmusste, sassen bei denen, die mit am Flughafen waren, die Traenen locker. Mir war in diesem Moment nicht danach zumute und habe das relativ locker weggesteckt, obwohl ich mit denen mitfuehle, die mich vermissen werden. Auf den Fluegen war ich dann an der Reihe, den Abschied zu verarbeiten. Mittlerweile, besser gesagt am zweiten Tag konnte ich bereits bestens damit umgehen. Geholfen hat mir dabei der herzliche Empfang, der mir vom Personalchef am Flughafen und schliesslich von meinem Haus bereitet wurde.

In diesem Moment lernte ich nicht nur die core-members, also die Klienten (Le Tu, Dora, Richard und Henry), kennen, sondern auch meine Hausleiterin (Iva),  eine zweite Assistentin (Kate) und die Haushaltsunterstuetzung fuers Wochenende (Janine) kennen. Ausserdem ist da noch Tina, die ebenfalls im Haushalt jeweils Nachmittags von Dienstag bis Freitag hilft.

Kueche

Kueche

Wohn-u Esszimmer

Wohn-u Esszimmer

Der Gemeinschaftsraum

Der Gemeinschaftsraum

Allgemein gesagt ist mein Haus, das uebrigens “La Creche” heisst (frz.: Krippe) ein sehr ruhiges. Die core-members sind sehr umgaenglich und selbststaendig. Fuer den Tagesablauf benoetigen sie ausschliesslich Anweisungen,  Hilfestellungen und eben so etwas wie eine Familie, die wir darstellen, da sie entweder keine haben oder diese sich nicht um sie kuemmern.

Mein Tagesablauf im Haushalt beginnt damit, dass ich um 8 Uhr aufstehen muss. Im Moment leider um 7 Uhr, da Henry nur voruebergehend in unserem Haus wohnt und frueher mit dem Taxi abgeholt wird, da er in eine andere Einrichtung zum Tagesprogramm faehrt. Als naechstes muss Richard geweckt werden, denn er laesst sich fuer alles viel Zeit. So passiert es, dass er schonmal 1 Stunde in der Wanne bleibt oder 1 Stunde auf der Toilette. Le Tu steht von alleine auf. Dora muss ebenfalls geweckt werden. In dieser Woche haette man von Glueck reden koennen, wenn sie zum Tagesprogramm gegangen waere, aber sie blieb die letzten drei Tage lieber zu Hause. Nach dem Fruehstueck werden Richard, Le Tu und mglw. Dora gegen halb 10 mit dem Bus abgeholt. Wenn Dora nicht will, dann kommt Emely vorbei, die sich mit ihr beschaeftigt oder sie versucht zu ueberreden, doch noch in die Einrichtung zu gehen. Bis um 12 sind dann Kate, Iva und ich damit beschaeftigt, zu putzen, abzuwaschen oder etwas anderes vorzubereiten.

Kate und ich in West Edmonton Mall

Kate und ich in West Edmonton Mall

Von 12 bis 15 Uhr habe ich Freizeit, die ich bis jetzt bestenz genutzt habe, da an den letzten Tagen immer die Sonne schien und es 30 Grad auf dem Thermometer waren. Ich habe die Umgebung erkundet, war im Park joggen, habe in der Shopping Mall um die Ecke Dinge des taeglichen Bedarfs gekauft, war mit Kate und ihrer Freundin in einer der groessten Shopping Malls der Welt (West Edmonton Mall) und habe eine kleine Tour durch Downtown bekommen. Trotz des guten Wetters muss ich sagen, dass Downtown in Edmonton nicht zu empfehlen ist. Mir gefaellt es garnicht. Haesslich. In meiner Gegend scheint es tagsueber wie in einer Geisterstadt. Autos fahren fast ausschliesslich auf der Hauptstrasse und die Seitenstrassen sind verschlafen. A Propos Autos: Hier sieht man fast nur dicke Pick-Ups und SUV’s. Und von den massigen Autos kann man auch auf viele Kanadier schliessen. Mit dem ausgezeichneten Wetter ist es heute vorbei, denn es regnet schon den ganzen Tag und ich habe eine grosse Motovation, meine Eindruecke loszuwerden.

Cih erkunde den Park

Ich erkunde den Park

Edmonton Downtown

Edmonton Downtown

ein kleiner Teil von West Edmonton Mall

ein kleiner Teil von West Edmonton Mall

Um 15 Uhr werden meine geistig beeintraechtigten Mitbewohner nach Hause gebracht. Dann sind wir fast alle in der Kueche und reden ueber den Tag. In der Kueche wird dann von uns das Abendessen vorbereitet. Waehrend dieser Zeit schauen die core-members fern, sitzen beisammen und nehmen ein Bad. Gestern habe ich das erste Mal dabei zugeschaut, welche Hilfe sie beim Baden benoetigen. Wie gesagt, sie sind recht selbststaendig und benoetigen hauptsaechlich Anweisungen, deshalb ist das anders, als ich es erwartet habe.

Um 18 Uhr gibt es Abendbrot, was immer sehr lecker ist. Ich stelle mir schon vor, wie ich in der Kueche stehen werde und leckeres Essen kochen werde. Gegen 21 Uhr sind alle im Bett und es gibt regelmaessig ein Treffen mit Iva, Kate und mir, wobei organisatorische Dinge besprochen werden.  Danach gehe ich in mein schoen eingerichtetes Zimmer, um Gitarre zu ueben und Vokabeln zu lernen.

ein Teil meines Zimmers

ein Teil meines Zimmers

Am ersten Tag hatte ich ebenfalls schon ein erstes Seminar, das sich mit gesundem Essen beschaeftigte. Hier in Alberta ist es sehr schwer, an frischen Fisch zu kommen und ausserdem reden sie meisst von Obst aus der Dose und tiefgefrorenem Gemuese. Zum Glueck ist das bei uns im Haus nicht der Alltag. Ausserdem war am ersten Abend gleich eine kleine Party in einem der anderen Haeuser, sodass ich einige andere Assistenten besser kennengelernt habe. Noch mehr Leute, von denen ich erzaehlen koennte, sind die Leute n den Bueros, aber das sind auch eine ganze Menge.

Wie ihr seht, habe ich mich bis zu diesem Punkt gut eingelebt. Ich kenne den Tagesablauf, weiss, wo das Essen steht ;) und verstehe mich gut mit meinen Kollegen und den core-members. Was ich jedoch hier sagen muss ist, dass ich bis jetzt noch keine Aufgabe komplett alleine uebernommen habe. Ich habe bis jetzt immer nur zugeschaut und bin vielleicht deswegen noch nicht so muede vom Tagesablauf ;)