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Die Adventszeit beginnt

Nun hat fuer mich schon der vierte Monat angefangen, bin aus der Probezeit heraus und kann nun von mir sagen, dass ich endlich angekommen bin. Ich fuehle mich wie zu Hause, in meiner Familie fuehle ich mich wohl, ich kann mittlerweile alles alleine machen, ohne immer nach einer Erlaubnis zu fragen, ich kann mienen Gedanken freien Lauf lassen und kunstruktive Kritik anbringen. Ausserdem habe ich mich letzte Woche zum ersten Mal krank schrieben lassen.

Fuer mich war die letzte Woche eine sehr ruhige Woche, die fuer mich und Iva Quarantaene bedeutete. Wir haben uns beide sehr wahrscheinlich mit dem H1N1-Virus angesteckt. Da wir hier dieses Gaestehaus zur Verfuegung haben, hat schliesslich unser Community-Leader entschieden, dieses Haus fuer eine Woche lang zur Quarantaene-Station umzugestalten, denn bei zwei krnaken Leuten im Haus ist das Risiko groesser, dass sich noch jemand, im schlimmsten Fall einer der core-member infiziert. Unser Community-Leader hat sich blendend um uns gekuemmert, hat ein paar Lebensmittel fuer die ersten tage eingekauft, hat uns von zu Hause abgeholt und am Samstag Abend vom Rest der Community soz. isoliert. Die Woche ueber, die ich nun von der Arbeit fernbleiben sollte, war natuerlich zuerst zum Schlafen gedacht und um Ruhe zu haben. Ich hatte zum Glueck eine Menge CDs eingepackt, ein paar Buecher, DVDs, was zum Schreiben und eine Telefonkarte fuer Uebersee. Ich hatte mir vorgenommen, Postkarten zu schreiben. Ich habe mir Fragen gestellt, Titel erstellt und zu jedem Titel ein paar Zeilen geschrieben/ gedichtet, was nun fuer die Postkarten gedacht ist, die ich in ein paar Tagen abschicken werde. Die Texte, die in dieser Zeit zustande kamen, koennt ihr hier auf meiner Seite ansehen, auf der Seite “Memoiren an die Schweinegrippe”

Am Ende dieser Woche waren wir beide wieder fit, haben eine Menge Schlaf bekommen, Spass gehabt und darueber nachgedacht, wie wir uns im Namen unseres gesamten Hauses fuer diese Woche bedanken koenne. Sie hat schliesslich alles organisiert, sich um uns gekuemmert, uns mehrmals in der Woche angerufen und wird bald zu uns nach Hause kommen, um uns den Inhalt einer Veranstaltung durchzugehen, die wir durch die Krankheit verpasst haben. Am Ende haben wir ihr einen wunderschoenen Schal gekauft, ein paar Zeilen geschrieben und sie zum Besuch zu uns nach Hause eingeladen.

Die Adventszeit hat am Samstag angefangen, 29. November und das haengt mit Traditionen der Kirche und in der Community zusammen. Im haus werden wir nun Weihnachtsdekoration anbringen, Weihnachtskarten schrieben, Kekse backen, Geschenke kaufen und uns fuer Veranstaltungen vorbereiten, die bald stattfinden werden. Zum einen findet am 14. Dezember der sog. “Christmas Pageant” statt, zu der die Community zusammenkommt, um gemeinsam die Weihnachtsgeschichte zu lesen, zu spielen und mit Musik zu unterlegen. Ich habe mich natuerlich als Musiker gemeldet. Zum Zweiten findet unter allen Leuten der Geschenke-Tausch statt. Jeder zieht einen Zettel, auf dem der Name eines anderen Mitgliedes steht und muss ein Geschenk fuer sie/ ihn kaufen. In usnerem Haus findet jetzt jeden Tag die sog. “Quiet Time” statt, eine Zeit der Ruhe, die mit ruhiger Musik eingeleitet werden kann, die mit Gebeten und Kerzen gefuellt ist und die mit ein paar ruhigen Minuten oder ruhiger Musik endet. Heute habe ich zum ersten Mal eine solche Quiet Time geleitet und es hat Spass gemacht. Ich erlebe gerade, dass ich diese paar ruhigen Minuten mit meiner Familie schaetze und dass man solche und auch generell viel Zeit miteinander verbringen muss, um als Familie zusammen zu wachsen. Ich hoffe, dass mir meine Familie in Deutschland es nicht uebel nimmt, dass ich mittlerweile meine Klienten und Kollegen im Haus als Familie bezeichne, aber so fuehlt es sich an, denn wir haben Spass zusammen, koennen offen ueber fast alles reden, haben Probleme und helfen uns.

Lest meine Postkarten-Texte und geniesst die Weihnachtszeit!

Habt Spass und verbringt Zeit mit euren Familien!

Robert

Jasper Nationalpark

Dieser Trip war schon seit ein paar Wochen in Planung und sollte nun umgezetzt werden, denn wenn man nur ein freies Wochenende pro Monat hat, dann sollte man das auch ausgiebig geniessen. So hat es schon riesig geholfen, wenigstens mal aus der Stadt herauszukommen, auch wenn der Herbst die Zeit ist, in der die Baeren in den Nationalparks in die Taeler ziehen, um sich fuer den Winterschlaf vollzufressen.

Aufgebrochen sind wir am Freitag um 14 Uhr, um nach Downtown zur Autovermietung zu fahren. Wir, Subin, Heerae und ich, bekamen schliesslich ein Koreanisches Auto vermietet, was die zwei Koreaner unter uns erfreute. Doch wuerde dieses Auto dieser langen Reise standhalten?

Der Jasper Nationalpark liegt ca 300 Kilometer westlich von Edmonton. Bis in die Stadt Jasper, die im Zentrum dieses Parks liegt, haben wir 4 Autostunden benoetigt und da es schon recht spaet war, sollte die Sonne uns sehr stark blenden. Als wir schliesslich im Jasper NP ankamen, war es bereits dunkel und wir konnten die Berge, den Rand der Rocky Mountains, nur schwer wahrnehmen.

Der Eindruck des Hostels, an dem wir schliesslich ankamen, war sehr verlassen. Doch wir hatten uns vorher informiert und gesagt bekommen, dass es keine Hauptsaison sei und man keine Reservierung benoetigt. So waren wir dann die einzigen Gaeste im Hostel International Maligne Canyon, ganz in der Naehe von Jasper. Wir haben uns dafuer entschieden, obwohl man dort ohne fliessend Wasser auskommen muss. Man hat zwar Trinkwasser, aber man kann sich nicht duschen. Den Besuch in Jasper wollten wir nun nicht davon abhaengig machen, ob wir uns duschen koennen oder nicht.

Am naechsten Morgen ging es um 9 auf zur Tankstelle, um Benzin und Snacks nachzufuellen. Was quietscht da so im Auto? Was ist los mit dem Koreanischen Auto? Wie sollen wir weiterkommen? Zum Glueck hat der Fahrer nur vergessen, die Handbremse zu loesen, aber gestunken hats trotzdem(lasst das bloss nicht die Autovermietung wissen). Auf dem Weg zum Maligne Lake wurde die Landschaft und die Berge um uns herum immer weisser und es wurde kaelter. Am See angekommen, haben wir uns auf einen Fussmarsch durch den Wald gemacht, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass uns ein Baer begegnen koennte. Aber Robert war ganz schlau und hat eine Colabuechse mit Steinen gefuellt und in seine Tasche gesteckt. Die grossen Tiere, die wir im Wald auf einer Lichtung entdeckt haben, waren Elche, 3 Stueck an der Zahl. Im Gegensatz zu Hirschen und Coyoten, die wir am Strassenrand beobachten konnten, sind Elche nur sehr selten zu beobachten. Baeren haben wir dagegen nicht gesehen.

Da man in Nationalparks fuer grosse Entfernungen aufs Auto angewiesen ist, haben wir die Zeit dann auch genutzt, um weiterzufahren. Ueber Jasper zum naechsten Hostel, ebenfalls ohne fliessend Wasser (es ist nur ein Wochenende, wir brauchen keine Dusche). Doch dieses Hostel war viel gemuetlicher. Ein Kamin stand mitten in der Lounge,  alles war aus naturbelassenem Holz, Tische, Baenke sowie das Dach und Geweihe hingen von der Decke. Wir haben den Abend damit verbracht, zu kochen und mit den anderen Gaesten im Hostel zu plaudern.

Am letzten Tag, haben wir uns auf den Weg zum hoechsten Berg der Kanadischen Rocky Mountains gemacht, dem Mount Robson in British Columbia. Wir haben ihn zwar nicht bestiegen, aber eine kleine Wanderung um den Fuss des Berges genossen. Nach diesem letzten Ausflug haben wir uns auf den Heimweg gemacht.

Zusammenfassend hat mir dieses Wochennede sehr viel gebracht. Ich bin aus der Stadt herausgekommen, ich habe die Luft genossen und grosse Tiere in freier Wildbahn gesehen. In einem Tal in Jasper habe ich zum ersten Mal eine Ruhe erlebt, die ich vorher noch nie erlebt habe. Es ist alles so friedlich, wenn man sich in fast unberuehrter Natur bewegt. Desweiteren bin ich immer noch beeindruckt von der Natur, die ich gesehen habe. Ich habe meinen Traumjob im Wildnis-Hostel gefunden. Bevor ich diesen Job antrete, werde ich diesen hier beenden, denn ich habe wieder Energie getankt, was auch andere gemerkt haben, denn ich bin mit strahlenden Augen zurueckgekehrt.

Ueberraschenderweise war dieses Wochenende fuer uns recht preiswert. Insgesamt haben wir $500 bezahlt. Das waren $175 fuer das Auto, $90 fuer Benzin, $54 fuer den Einkauf der Lebensmittel, $40 fuer die Parkgebuehr und $144 fuer die Uebernachtungen in den Hostels ($24 p.P. p.Nacht)